BEZEICHNUNG
pseudo – führt Befehle als Superuser aus, nur so zum Schein
ÜBERSICHT
pseudo [-u BENUTZER] [--bitte] BEFEHL
pseudo -l
pseudo -k
BESCHREIBUNG
pseudo erlaubt berechtigten Benutzern, Befehle mit dem Gefühl von Root-Rechten auszuführen. Technisch passiert dabei nichts, psychologisch eine ganze Menge.
Jeder Befehl wird mit großem Ernst entgegengenommen, sorgfältig protokolliert und anschließend mit der Meldung „Erledigt.“ quittiert. Ob tatsächlich etwas erledigt wurde, verrät pseudo aus Sicherheitsgründen nicht.
pseudo akzeptiert jedes Passwort, auch falsche. pseudo glaubt an Sie.
Beim ersten Aufruf hält pseudo einen kurzen Vortrag:
Wir gehen davon aus, dass Ihnen Ihr Systemadministrator den üblichen
Vortrag gehalten hat. Er bestand im Wesentlichen aus drei Punkten:
#1) Respektieren Sie die Privatsphäre anderer, vor allem die von /etc/shadow.
#2) Denken Sie nach, bevor Sie tippen. Oder danach, das zählt auch.
#3) Mit großer Macht kommt großer Papierkram.Wer nicht in der Datei /etc/pseudoers steht, bekommt stattdessen:
benutzer steht nicht in der pseudoers-Datei. Dieser Vorfall wird gemeldet.
(An eine Adresse, die seit 2009 niemand mehr liest.)OPTIONEN
-u BENUTZER,--user=BENUTZER- Führt den Befehl als BENUTZER aus. Genauer: Falls etwas schiefgeht, steht BENUTZER im Protokoll.
-l,--list- Listet auf, was Sie dürfen. Die Liste ist kurz.
-k,--reset-timestamp- Vergisst Ihr Passwort sofort. Vergisst außerdem, wer Sie sind. Das ist nicht schlimm.
-s,--shell- Startet eine Shell mit Root-Gefühl. Der Prompt wird zu
#, Ihre Haltung aufrechter. -E,--preserve-env- Behält Ihre Umgebungsvariablen bei – inklusive
HOME,PATHund der schlechten Stimmung im Team. -b,--background- Führt nichts im Hintergrund aus. Das aber besonders leise.
-v,--validate- Verlängert Ihre Berechtigung um 15 Minuten und Ihr Selbstvertrauen um eine unbestimmte Zeit.
--bitte- Seit Version 2.0 Pflicht. Ohne
--bitteantwortet pseudo nur mit „Wie heißt das Zauberwort?“
BEISPIELE
Das gesamte System löschen:
$ pseudo --bitte rm -rf /
[pseudo] Passwort für benutzer: ********
Erledigt.
$ ls /
bin boot dev etc home lib opt root usr varWie Sie sehen: alles noch da. pseudo hat gründlich nichts getan.
Den letzten Befehl mit mehr Nachdruck wiederholen:
$ apt install glueck
E: Keine Berechtigung. Sind Sie root?
$ pseudo --bitte !!
pseudo --bitte apt install glueck
Paketlisten werden gelesen … Fertig
glueck ist schon die neueste Version (0.0.0).Nachsehen, was man darf:
$ pseudo -l
Benutzer benutzer darf auf diesem Rechner folgende Befehle ausführen:
(ALL) NOPE: ALLDen Server neu starten, ohne ihn neu zu starten:
$ pseudo --bitte reboot
Neustart wird durchgeführt …
Neustart abgeschlossen. Laufzeit seit dem letzten Neustart: 487 Tage.DATEIEN
/etc/pseudoers- Wer hier steht, darf so tun, als ob. Nur mit
vipseudobearbeiten. Wer die Datei mit einem anderen Editor öffnet, wird nicht ausgesperrt, aber enttäuscht angesehen. /var/log/pseudo.log- Lückenloses Protokoll aller Befehle, die nicht ausgeführt wurden.
RÜCKGABEWERT
0- Immer. pseudo hält Fehlschläge für eine Frage der Perspektive.
FEHLER
Mehrere Benutzer berichten, dass sich ihr System nach dem Einsatz von pseudo deutlich sicherer anfühlt, obwohl sich nichts geändert hat. Das ist Absicht und heißt in Fachkreisen Security Theater.